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© Birgit Arndt / fundus.media
Manchmal wäre ich gerne ein Vogel. Nicht unbedingt, weil ich fliegen möchte, sondern weil Vögel offenbar etwas können, was uns Menschen ziemlich schwerfällt: Sie sorgen sich nicht um morgen.
Jesus nimmt genau diese kleinen Himmelsbewohner zum Beispiel. „Schaut die Vögel unter dem Himmel an“, sagt er. „Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“ Und dann kommen noch die Lilien auf dem Feld dazu, die einfach wachsen und wunderschön sind, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob sie morgen noch genauso schön sein werden.
Für uns Menschen ist das mit dem Sorgen leider nicht so einfach. Sorgen stellen sich oft ungefragt ein. Sie kommen, wenn wir nachts wachliegen und die Gedanken kreisen. Sie kommen, wenn wir uns um einen Menschen sorgen, der krank ist. Wenn wir nicht wissen, wie etwas weitergehen soll. Wenn wir spüren, dass etwas auf uns zukommt, das wir nicht beeinflussen können.
Dabei wissen wir eigentlich, dass Sorgen selten etwas besser machen. Trotzdem können wir sie nicht einfach abschalten. Sorgen haben schließlich auch damit zu tun, dass uns etwas oder jemand am Herzen liegt. Wir sorgen uns, weil wir lieben, weil wir Verantwortung übernehmen, weil wir uns wünschen, dass etwas gut ausgeht.
Das Schwierige ist: Vieles, worüber wir uns sorgen, können wir gar nicht selbst in der Hand behalten.
Vielleicht liegt genau darin die Zumutung und zugleich die Befreiung in Jesu Worten: „Sorgt nicht um euer Leben.“ Er sagt nicht: Es wird nichts Schwieriges passieren. Er verspricht auch nicht, dass alle Probleme verschwinden. Er erinnert uns vielmehr daran, dass wir nicht allein für unser Leben verantwortlich sind. Da ist einer, der für uns sorgt.
Der Predigttext für diesen Sonntag erzählt von den Anfängen des Menschen. Gott formt den Menschen aus Erde und haucht ihm seinen Lebensatem ein. Ein schönes Bild: Wir sind Erdlinge, begrenzt, verletzlich und vergänglich. Und gleichzeitig tragen wir Gottes Atem in uns. Unser Leben ist nicht einfach unsere eigene Leistung. Es ist uns geschenkt.
Vielleicht hilft dieser Gedanke auch gegen manche unserer Sorgen. Wir müssen nicht alles selbst schaffen. Wir müssen nicht alles kontrollieren. Wir dürfen unseren Teil tun – den Garten unseres Lebens bebauen und bewahren, wie es in der Bibel heißt – und trotzdem darauf vertrauen, dass nicht alles allein an uns hängt.
Ich glaube allerdings nicht, dass Gottvertrauen auf Knopfdruck funktioniert. Auch das ist eine Art Training. So wie ich lernen musste, mit meinen Gedanken umzugehen, wenn sie nachts wieder einmal ihre eigenen Wege gingen, müssen wir vielleicht auch das Vertrauen immer wieder einüben. Einen kleinen Schritt nach dem anderen. Die Sorge wahrnehmen, sie aber nicht zum Mittelpunkt unseres Lebens werden lassen.
Martin Luther hat dafür ein wunderbares Bild gefunden: Die Vögel der Sorge und des Kummers, die über unserem Kopf fliegen, können wir nicht verhindern. Aber wir können verhindern, dass sie in unseren Haaren Nester bauen.
Ganz loswerden werden wir unsere Sorgen vermutlich nicht. Aber vielleicht können wir ihnen weniger Raum geben. Und dann werden unsere Hände wieder frei für das, was heute vor uns liegt: für die Menschen, die uns brauchen, für die kleinen Freuden am Wegesrand und für das Leben, das gerade jetzt stattfindet.
Tanja Langer ist Pfarrerin im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirchen am Limes
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
