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© Birgit Arndt / fundus.media
„Wir sind Gottes geliebte Gurkentruppe!“ Mit diesem Satz warb die Hamburger Pastorin Sandra Bils beim Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages in Dortmund 2019 für eine offene Einheit in der Kirche. Und ich bin ehrlich, als ich den Satz zum ersten Mal hörte, dachte ich, ich hätte mich verhört!
Gurkentruppe? Im ersten Hören hatte dieser Satz für mich etwas Beleidigendes, geradezu Lächerliches: Wir, die wir alle so hart für die Kirche und ihre Werte arbeiten, werden hier sinnbildlich als „Gurke“ veräppelt? Nicht mit mir!
Es hat ein wenig Zeit gebraucht, bis ich verstanden habe, was sie damit sagen wollte: Wir alle gehören dazu. Jedes noch so kleine „Gürkchen“ hat seinen oder ihren Wert. Egal wie wir heißen, wo wir „gewachsen“ sind und welche Träume wir haben, uns verbindet eine Liebe, die keine Grenzen kennt und die keinen ausklammert.
Und auch wenn ich nach wie vor den Ausdruck Gottes „Gurkentruppe“ etwas ungeeignet finde, stimme ich doch der dahinterstehenden Aussage zu. Nur würde ich hier Paulus Worte an die Korinther vorziehen. Sie stammt aus dem Predigttext für diesen Sonntag:
Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
(1. Korinther 3,9)
Paulus macht deutlich: Wir alle sind am Bau der Kirche beteiligt. Nicht nur im Gottesdienst, nicht nur im Kirchenvorstand, sondern in allen kleinen und großen Belangen der Welt: Wenn wir Kindern als Freiwillige bei den Hausaufgaben helfen, weil sie zu Hause niemanden haben, der helfen kann. Wenn wir ältere Menschen besuchen, die aufgrund von Einsamkeit und Krankheit vielleicht das Haus nicht verlassen können. Wenn wir auf der Arbeit unseren Kolleg:innen ein freundliches Ohr schenken, oder ihnen helfen, nicht unterzugehen.
Egal wo wir sind: Da ist Gott und Kirche dabei! Durch uns. Als seine Mitarbeitenden. Und gleichzeitig sind wir aber auch immer wieder selbst Empfänger:innen von Gottes Liebe. Wie ein Samen soll sie in uns wachsen und mit Liebe und Zuspruch versorgen. Das zeichnet uns nämlich aus: Wir geben und wir empfangen. Wir sind Licht und richten uns nach dem Licht der Welt aus. Das meint Paulus mit dem Ackerfeld. Auch in uns muss etwas wachsen, etwas von Gottes Liebe und Gnade eingepflanzt sein, wenn wir davon etwas als seine Mitarbeitenden an andere abgeben wollen. Auch wir müssen uns nach Gott richten, wenn wir als Kirche und Gemeinschaft der Christ:innen anderen Hilfe und Orientierung geben wollen.
Und weil jeder und jede von uns Mitarbeiter:in Gottes ist, gibt es in unserer Gemeinschaft Raum für alle: Schüchterne, Geplagte, Einsame, Entertainer, Mutige, Vorausschauende, Zuhörende, Weinende, Tröstende, handwerklich Begabte, Blinde, Hungrige, und viele mehr. Alle sind willkommen.
Auch die Gurken. In allen Größen und Formen!
Leroy Pfannkuchen ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirche in den Auen
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
