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© Birgit Arndt / fundus.media
Wer regiert die Welt? Da kommen doch einige sehr mächtige Männer in den Sinn. Die also, die die großen Nationen regieren und auch Kriege führen. Doch auch diese Menschen sind sterblich und müssen einmal abtreten. Da ist es mir ein guter Gedanke, dass kein Mensch, sondern Gott die Welt regiert. Alle anderen Regenten sind nur für eine kurze Zeit mächtig und treten einmal ab. Vielleicht viel schneller, als es jetzt den Anschein hat. Dagegen bleibt Gottes Wirken, das kein Ende hat. Bei Gott ist die Welt in guten Händen.
Freilich ist von diesem Regieren oft wenig zu merken. Warum? Einen Hinweis finde ich in der Bibel beim Propheten Maleachi: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist.“ Was hat es also mit diesem Geist auf sich? Das Pfingstfest feiert, dass der Geist Gottes herabkommt auf die Anhänger Jesu. Der Geist soll also in den Menschen wirken. Das ist weitaus unauffälliger als Heeresmacht und Krafteinwirkung. Was tut nun der Geist Gottes in den Menschen? Die Pfingstgeschichte erzählt: Er schenkt den Jüngern eine Sprache, die alle Menschen verstehen. Er verbindet die Menschen. Er ermöglicht Miteinander. Er bewirkt Hoffnung, Freude, Mut, Besonnenheit und Mitgefühl. Kurz gesagt: Er ist ein Geist der Liebe. Das Regieren Gottes durch den Geist wird in der Bibel im ersten Johannesbrief so erklärt: „Gott ist die Liebe; wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“.
Jetzt ist die Woche nach Pfingsten und der Sonntag, der Trinitatis heißt. Trinitatis ist auf Deutsch: Dreieinigkeitsfest. Dieser Sonntag erinnert daran, dass Christen an den einen und gleichzeitig dreieinen Gott glauben. Wie kann man sich das vorstellen? Ein Gott und doch drei? Es ist kompliziert. Aber das Leben ist meistens auch kompliziert. Das Weltgeschehen noch viel mehr. Da sollte man sich Gott auch nicht allzu einfach vorstellen.
Für mich ist diese Lehre von der Dreieinigkeit ein Hinweis darauf, dass Gott Liebe ist. Denn die Liebe braucht doch ein Du. Wenn ich sage: Ich liebe; dann stellt sich doch sofort die Frage: Wen oder was liebst du? Die Liebe erfüllt sich darin, dass sie anderswo ankommt, und so zwei verbindet. Unausweichlich entwickelt sich daraus die Dreiheit: der Eine, der liebt, der andere, der geliebt ist und als drittes die Liebe selbst, die Verbindung der zweien. Das finde ich großartig an der christlichen Vorstellung von Gott. Sie stellt die Liebe dar. Da regiert kein einzelner Mächtiger, kein Diktator oder gar ein Tyrann. Sondern da ist Liebe: Eine Verbindung und Beziehung, ein Miteinander, ein Raum für Hoffnung, Freude, Mut, Besonnenheit und Mitgefühl, eine wunderbare Lebendigkeit. Mit dem Geist Gottes kann dies auch uns erfassen. Das feiert die Christenheit am Sonntag nach Pfingsten, der Trinitatis heißt.
Reiner Isheim ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Niddaer Land
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
