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© Birgit Arndt / fundus.media
Pfarrer Wilfried Schutt
Wenn heute von einem „Wunder von B“ die Rede wäre, würden viele an Bern denken. An Fußball – und tatsächlich hat am Donnerstag die Weltmeisterschaft begonnen, größer als je zuvor, mit 48 Nationen und drei Gastgeberländern. Doch das „B“, an das ich denke, steht für Barmen.
Im Mai 1934 verabschiedeten evangelische Christinnen und Christen die Barmer Theologische Erklärung. Deutschland war bereits von den Nationalsozialisten beherrscht. Viele hatten sich dem Zeitgeist angepasst. Auch in der Kirche gab es Stimmen, die nach einem starken Führer riefen und die Kirche dem politischen System angleichen wollten.
Dagegen setzte die vierte Barmer These ein klares Wort Jesu: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch.“
Kirche, so die Barmer Väter und Mütter, lebt nicht von starken Führergestalten. Sie lebt vom gemeinsamen Dienst. Von gemeinsamer Verantwortung. Von Menschen, die miteinander auf Christus hören.
Das war 1934 mutig. Es widersprach dem Zeitgeist – und einem Regime, das keine Widersprüche duldete.
Mehr als neunzig Jahre später wirkt dieses Wort erstaunlich aktuell. Krieg in der Ukraine, Eskalation im Nahen Osten, wirtschaftliche Sorgen auch bei uns. Und allerorts die Sehnsucht nach starken Männern mit einfachen Antworten. Sie ist nicht verschwunden. Sie trägt nur andere Namen.
Barmen erinnert: Christlicher Glaube setzt nicht auf Herrschaft, sondern auf Verantwortung. Nicht auf blinden Gehorsam, sondern auf gemeinsames Hören. Nicht auf Macht über andere, sondern auf Dienst füreinander.
Dieser Weg ist weniger spektakulär. Er verspricht keine schnellen Lösungen. Er braucht Geduld, Gesprächsbereitschaft und manchmal auch den Mut zum Widerspruch.
Glaube ist kein Zuschauen. Er ist Mannschaftsspiel.
Aber die Kirche lebt nicht von ihrer Mannschaft. Sie lebt davon, dass Christus in ihrer Mitte ist. Darum dürfen Menschen Verantwortung übernehmen, ohne sich selbst für unersetzlich zu halten.
Wilfried Schutt ist Pfarrer im Nachbarschaftsraum Evangelische Kirchen am Limes sowie Pfarrer für Innovation und die Landesgartenschau Oberhessen 2027
Paul Seling/Pexels.comOb eine schwere Krankheit, ein Trauerfall in der Familie, das belastende Gefühl, einsam zu sein, oder einfach nur ein Coffee-to-go und Feierabend, – nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Impulse für Glauben und ihren Alltag mit seinen Herausforderungen und Freuden aufzugreifen.
Tobias Frick/fundus-medien.deHier finden Sie weitere „Gedanken zum Sonntag" von Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Mitarbeiterinnen aus dem Dekanat Büdinger Land.
