Abschied von der „Traumpfarrstelle“

veröffentlicht 26.02.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Pfarrerin Andrea Klimm-Haag geht nach fast 15 Jahren in Burgbracht, Hitzkirchen und Kefenrod in den Ruhestand.

Die Zeit als Pfarrerin in Burgbracht, Hitzkirchen, Helfersdorf und Kefenrod sei beruflich ihre beste gewesen, resümiert Andrea Klimm-Haag. Und sie kann zweifellos auf eine abwechslungsreiche Berufsbiografie zurückblicken. Jetzt verabschiedet sich die 63 Jahre alte Theologin von ihrer „Traumpfarrstelle“. Ein neuer Lebensabschnitt ruft: der Ruhestand. Am Sonntag, 8. März, wird sie in der Kirche in Burgbracht von ihrem Dienst entpflichtet. 

Wie bei vielen Kolleginnen und Kollegen ihrer Generation führt auch Andrea Klimm-Haags Weg nicht schnurstracks ins Gemeindepfarramt. Aufs Theologiestudium folgen zunächst das Vikariat in Wolferborn und ein Spezialvikariat am Theologischen Seminar in Friedberg, dann ein Intermezzo als Religionslehrerin am Wolfgang-Ernst-Gymnasium in Büdingen. 1993 wird sie ordiniert und arbeitet mehrere Jahre als Altenheimseelsorgerin im Altenzentrum Rodenbach. Als Interimspfarrerin trägt sie gut eineinhalb Jahre Verantwortung in den Gemeinden in Wenings/Merkenfritz und später in Wolferborn und Rinderbügen.

Ihren Schwerpunkt setzt sie zunächst in der Seelsorge und qualifiziert sich in diesem Bereich. Von 2003 bis 2011 ist sie Klinikpfarrerin in den Frankfurter Diakonie-Kliniken. Die Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen gehört zu ihren Aufgaben, ebenso die Schulung von angehenden Ärzten und Pflegenden im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Sie arbeitet am Zentrum für Seelsorge in Friedberg mit und bietet Kurse für haupt- und ehrenamtliche Seelsorger an.  Eine „intensive Zeit“ sei das gewesen, erinnert sie sich. „Das bleibt nicht in den Kleidern hängen. Ich habe eigentlich erst im Nachhinein gemerkt, wie anstrengend die tägliche Begegnung mit Krankheit, Sterben und Tod ist.“ 

In dieser Zeit ist Waldensberg der Lebensmittelpunkt ihrer Familie. Dort ist ihr Mann Hansjörg Haag Pfarrer, dort wachsen die drei Söhne des Paares auf. Als die Pfarrstelle im wenige Kilometer entfernten Hitzkirchen frei wird, bietet sich ein Stellenwechsel an und vor Andrea Klimm-Haag tut sich noch einmal ein vielfältiges Wirkungsfeld auf. 

Die Arbeit mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden wird einer ihrer Schwerpunkte. Statt zwei Jahre dauert die Vorbereitung auf die Konfirmation fortan zwölf Monate. Die aber sind intensiv – die Jungen und Mädchen besuchen Bahnhofsmission und Hospiz, lernen Schuldner- und Suchtberatung kennen. Das Ziel ist klar: raus aus der vertrauten Umgebung und die Welt entdecken! Ein erster Höhepunkt für Andrea Klimm-Haag ist die Konfirmation 2014: zwei Jahrgänge, vier Festgottesdienste, 42 Konfirmandinnen und Konfirmanden. 

Am Herzen liegt ihr auch das Ehrenamt: Lebendiges Gemeindeleben gelingt nur, wenn man Menschen für ein gutes Miteinander gewinnt, Engagierte fördert und wertschätzt. Dafür stehen Neujahrsempfänge, regelmäßige Ausflüge und Rüstzeiten. Auch hier organisiert sie zusammen mit dem damaligen Bundestagsabgeordneten Peter Tauber (CDU) etwas Besonderes: fünf Tage Berlin mit Besuch des Deutschen Bundestages. „Sie legt großen Wert auf gemeinsame Unternehmungen, die das Team zusammenschweißen“, bestätigt Silke Sinner, Vorsitzende des Kirchenvorstands Hitzkirchen. 

Kontakt zu den Menschen, auch zu kirchenfernen, findet Andrea Klimm-Haag unter anderem beim Pilgern: Miteinander unterwegs zu sein, öffnet manche Tür und manches Herz. Marina Henrich, Vorsitzende des Kirchenvorstands Kefenrod, beschreibt die Pfarrerin als Brückenbauerin: „Sie kann auch mit schwierigen Charakteren umgehen und Menschen sanft ,einfangen‘, ohne sie zu verletzen.“ Henrichs Kollege Bernd Sinner, KV-Vorsitzender in Burgbracht, erinnert sich an eine Beerdigung, bei der die Pfarrerin die Socken trug, die die Verstorbene einmal für sie gestrickt hatte: „Das zeigt, wie sehr sie solche Gesten schätzt.“

In den Jahren 2015/16 erlebt Andrea Klimm-Haag eine neue Herausforderung, als auch in den Dörfern des östlichen Wetteraukreises geflüchtete Menschen eine Bleibe finden. Mit der Unterstützung einer Tanz- und Musiktherapeutin, die, finanziert von der Kirche, regelmäßig eigens nach Burgbracht kommt, gelingt es, Einheimische und Geflüchtete in Bewegung und in Kontakt zu bringen und Hilfsangebote zu etablieren. „Das war eine intensive und spannende Erfahrung“, so die Pfarrerin.

„Meine zupackenden Kirchenvorsteher haben mich immer unterstützt, dafür bin ich sehr dankbar“, würdigt die Scheidende. Die drei Kirchengemeinden seien für die Reformen des Prozesses „ekhn2030“ gut gerüstet.

Andrea Klimm-Haag und ihr Mann sind bereits nach Friedberg gezogen. Nach vielen Jahren auf dem Dorf genießt sie das bunte Stadtleben und die Unabhängigkeit vom Auto. Langeweile wird kaum aufkommen. Die Pfarrerin i.R. will sich als Vorlesepatin engagieren und sich kreativ ausleben: malen, töpfern und Krimis schreiben. Wer hätte das gedacht!

INFO:

Der Festgottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Andrea Klimm-Haag findet am Sonntag, 8. März, um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Burgbracht statt. Im Anschluss sind die Gottesdienstbesucher zu einem Empfang eingeladen.