Der 14. August war vermutlich einer der heißesten Tage dieses Sommers. Während beim Aufbau noch die Sonne auf die Helferinnen und Helfer brannte, breitete sich nach der Andacht wohltuender Schatten rund um die Stadtkirche und hinter dem Johannes-Pistorius-Haus aus. Beste Bedingungen also für das, worum es beim gemeinsamen Sommerempfang der Dekanate Büdinger Land und Wetterau vor allem geht: miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und bestehende Verbindungen pflegen – ausdrücklich über die kirchlichen Grenzen hinaus.
Rund 220 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Vereinen, Initiativen, Wirtschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Der Empfang, der inzwischen gute Tradition ist und abwechselnd von den beiden Dekanaten ausgerichtet wird, soll Raum schaffen für Begegnung und Vernetzung mit den Menschen und Institutionen, die die Region prägen.
In diesem Jahr war Nidda bewusst gewählt worden: Die Stadt feiert 500 Jahre Reformation und erinnert an Johannes Pistorius, der vor 500 Jahren die Reformation nach Oberhessen brachte. Bei der Begrüßung in der Stadtkirche erinnerte Präses Rolf Hartmann an das besondere Jubiläum. Hartmanns herzlichen Willkommensworten schloss sich auch Tobias Utter, Präses des mit veranstaltenden Nachbardekanats Wetterau, an. Die Kirchengemeinde Nidda stellte für die Veranstaltung dankenswerterweise Gelände und Gebäude zur Verfügung.
Jan-Philipp Repp war in die Rolle des jungen Johannes Pistorius geschlüpft und stellte Leben und Wirken des Reformators vor, der 1504 in Nidda zur Welt kam und 1583 dort auch starb. Wenige Schritte von der Stadtkirche entfernt war zudem das Niddaer Heimatmuseum eigens für die Gäste geöffnet. Dort konnten sie eine Ausstellung über Pistorius besuchen.
Dekanin Birgit Hamrich nahm in ihrer Ansprache Bezug auf die Herausforderungen der Gegenwart – von gesellschaftlichen Spannungen und Sorgen um die Demokratie bis zu Einsamkeit und finanziellen Nöten – und warb für einen anderen Blick auf die gemeinsame Zukunft. „Allein schaffen wir es nicht. Aber gemeinsam können wir etwas bewegen“, sagte sie. Und sie betonte: „Es kommt auf jeden und jede Einzelne an.“
Dabei ging es ausdrücklich nicht um einen naiven Optimismus. Christliche Hoffnung bedeute vielmehr, darauf zu vertrauen, dass Gott mitgehe – auch dort, wo der Weg noch nicht klar sei. Hoffnung könne sich gerade in den kleinen Begegnungen zeigen: in einem guten Gespräch, einer gemeinsamen Idee oder in der Erfahrung, nicht allein zu sein.
Landrat Jan Weckler sprach ein Grußwort und betonte das gute Miteinander von Kommunen und Kirche im Wetteraukreis.
Danach wurde aus dem offiziellen Empfang schnell ein lebendiges Get-together. Schnell fanden sich Gruppen und Grüppchen zusammen. Alte Bekannte trafen sich, neue Kontakte entstanden. Beim Warten auf Flammkuchen, kühle Getränke oder am Weinstand vertrieb man sich die Zeit, indem man mit den Nachbarn ins Gespräch kam. Von Ungeduld keine Spur! Der Freundeskreis Götzen rund um Kirchenvorsteherin Birgit Kaufmann kümmerte sich höchst professionell um das Wohl der Gäste. Bei den sommerlichen Temperaturen besonders willkommen war das „Monti Mobil“ aus Nidderau, eine zu einem Eiswagen umgebaute Ape, an der es köstliches Eis und Sorbet gab.
Für die musikalische Begleitung sorgte das Klarinettenquartett Quattrio mit Markus Christ, Birgit Pemsel, Sabine Schönfeld und Christoph Trapp, unterstützt von Schlagzeuger Pierre Wagner. Das Ensemble verbindet klassische und populäre Musik.
Den fröhlichen und beschwingten Abschluss gestalteten die Sängerinnen und Sänger des Gospelchors „Father’s Children“ aus Schotten unter der Leitung von Dekanatskantor Kiwon Lee, unterstützt von Sängerinnen aus Gedern und Sellnrod. Mitsingen war ausdrücklich erwünscht – und so endete der Sommerempfang genau so, wie er gedacht war: nicht in der „Kirchenbubble“, sondern mitten im Leben, miteinander und mit Blick auf die Region.