Prof. Dr. Claus Leggewie aus Gießen ist am Montag, 14. September, um 19.30 Uhr zu Gast bei „Talk am Turm“ im Evangelischen Dekanat Büdinger Land. Unter dem Titel „Macht euch die Erde untertan“ – Schöpfungsauftrag und ökologischer Konservatismus geht der renommierte Politikwissenschaftler der Frage nach, welche Bedeutung konservatives Denken in einer Zeit ökologischer Krisen, gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Polarisierung haben kann.
Der Satz aus der biblischen Schöpfungsgeschichte „Macht euch die Erde untertan“ ist über Jahrhunderte unterschiedlich ausgelegt worden. Für manche steht er für die Herrschaft des Menschen über die Natur, für andere verbindet sich mit ihm vor allem ein Auftrag zu Verantwortung und Bewahrung. Claus Leggewie nimmt diesen Spannungsbogen zum Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit dem Konservatismus und seiner Bedeutung für Gegenwart und Zukunft.
Dabei nimmt Leggewie eine politische Strömung in den Blick, die lange Zeit prägend für die Entwicklung der Bundesrepublik war und die er heute in einer Krise sieht. Einen Konservatismus, der sich an Verantwortung, Menschenrechten und dem Schutz natürlicher Lebensgrundlagen orientiert, grenzt er deutlich von den Positionen der Neuen Rechten und autoritären Tendenzen ab.
Leggewie plädiert für eine Renaissance eines ökologischen und humanistischen Konservatismus. Gerade angesichts des Klimawandels könne konservatives Denken neue Bedeutung gewinnen: als Haltung, die nicht allein auf kurzfristigen Nutzen setze, sondern auf das Bewahren dessen, was auch für kommende Generationen unverzichtbar sei. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen seien im Kern zutiefst konservative Anliegen.
Mit dem Thema verbindet sich auch die Frage nach der Zukunft der Demokratie. Leggewie versteht sich als öffentlicher Intellektueller, der wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermittelt und sich in gesellschaftliche Debatten einmischt. Er betont die Notwendigkeit, Demokratie aktiv zu stärken und autoritären sowie rechtsextremen Entwicklungen entgegenzutreten. Zugleich setzt er auf neue Formen der Beteiligung, etwa Bürgerräte, um demokratische Prozesse widerstandsfähiger zu machen.
Claus Leggewie, Jahrgang 1950, war von 1989 bis 2007 Professor für Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit 2015 ist er erster Inhaber der Ludwig-Börne-Professur an der JLU und Mitbegründer des „Panel on Planetary Thinking“. Seine Forschung beschäftigt sich mit Demokratie, politischer Kultur und den großen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet.
Die Veranstaltung findet im Margaretha-Pistorius-Haus in Nidda, Bahnhofstraße 26, statt. Der Eintritt ist frei.