Verwurzelt im Glauben, offen im Dialog

veröffentlicht 28.02.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Kirchenpräsidentin Dr. Christiane Tietz zeichnete am Samstag während der Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats Büdinger Land im Bürgerhaus Nidda Rolf Hartmann mit der Ehrennadel der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) aus.

Damit hatte Rolf Hartmann nicht gerechnet. Der Vorsitzende des Dekanatssynodalvorstands (DSV) hatte gerade seinen Bericht vor der Synode beendet, in dem er den vielen Ehrenamtlichen dankte – „Unsere Kirche wäre nichts ohne die vielen Frauen und Männer, die sich ohne Entgelt in ihrer Freizeit engagieren“ – da stand plötzlich stand sein eigenes Wirken für die Kirche im Mittelpunkt. 

„Rolf Hartmann prägt unser kirchliches Leben seit Jahrzehnten“, begann Dekanin Birgit Hamrich ihre Laudatio. Die Ehrennadel, offizielle Auszeichnung der EKHN für langjähriges und bedeutendes ehrenamtliches Wirken, sei „ein sichtbares Zeichen der Dankbarkeit für ein Engagement, das Kirche gestaltet, trägt und weiterdenkt“.

Als Vorsitzender des Dekanatssynodalvorstands, auch Präses genannt, ist Hartmann der ranghöchste ehrenamtliche Laie im Dekanat. Er vertritt das Dekanat nach außen und verantwortet die organisatorische Arbeit. Dieses Amt bekleidet er seit 2016, als die Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten zum Dekanat Büdinger Land fusionierten. 

Hartmanns Verbindung zur Kirche reicht bis in seine frühe Kindheit zurück. Der 74-Jährige, in Gedern geboren, wuchs in der Nähe von Kirche und Pfarrhaus auf. Annemarie Emmel, einst Gemeindesekretärin in Gedern und heute stolze 94 Jahre alt, erinnere sich noch gut an den jungen Rolf Hartmann, berichtete die Dekanin. Er habe nicht nur im Kindergottesdienst geholfen, sondern in den 1960er Jahren auch die kirchliche Jugendarbeit in der Region mit aufgebaut. Schon früh, zitierte die Dekanin aus den Erinnerungen Annemarie Emmels, habe der spätere Jurist redegewandt, vernünftig und „fast erwachsen“ gewirkt. 

„Kirche und Glaube ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben“, sagte Birgit Hamrich an den Geehrten gewandt. Hartmanns spätere ehrenamtliche Stationen umfassen den Kirchenvorstand in Geiß-Nidda und Bad Salzhausen, die Kirchensynode der EKHN, den DSV Nidda und schließlich den Vorsitz im DSV Büdinger Land. 

Reformprozesse, strukturelle Veränderungen und knappe Ressourcen, das alles falle in seine Amtszeit, so Hamrich. „Doch Sie reduzieren Kirche nie auf Zahlen oder Sparvorgaben. Für Sie geht es immer um die lebendige Gemeinde, um Menschen, die sich einbringen. Um Kirche, die nicht auf Konsumenten wartet, sondern Akteure stärkt. “ Gerade in Zeiten des Umbruchs brauche die Kirche Menschen wie Hartmann: verwurzelt im Glauben, klar im Denken, offen im Dialog. Menschen, die Tradition achten und zugleich Neues wagen. Menschen, die Verantwortung übernehmen – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung. 

Die Dekanin hob besonders drei Eigenschaften hervor: Hartmanns spirituelle Impulse, ruhig, durchdacht und eindrücklich, die in mühsamen Sitzungen an den Sinn der Arbeit erinnerten; seinen trockenen Humor, der entkrampfe und verbinde; und sein „unglaubliches Netzwerk als tief verwurzelter Oberhesse“. „Sie kennen Wege, Menschen, Zusammenhänge. Sie denken schnell, vernetzen Themen, erkennen Chancen. Für unser Dekanat ist das ein unschätzbarer Gewinn. “ 

Sein Engagement sei keine Episode, sondern „Ausdruck einer Lebenshaltung: Sie gestalten Kirche mit, tragen Verantwortung, halten Konflikte aus, moderieren Prozesse und eröffnen Perspektiven“. Sie schloss ihre Rede mit den Worten: „Ich freue mich auf alles, was noch kommt. Unsere Zusammenarbeit geht weiter.“ 

Die erste Gratulantin war Sabine Bertram Schäfer, bis Ende 2020 Dekanin im Büdinger Land und nun Pröpstin der Propstei Nord-Nassau. Seit dem 1. März ist sie auch für das Büdinger Land zuständig. Sie erinnerte an die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Rolf Hartmann. 

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Zur Person: Rolf Hartmann, Jahrgang 1951, lebt in Bad Salzhausen. Als überzeugter Oberhesse ist er ein seit Jahrzehnten politisch und gesellschaftlich engagierter Mensch. Neben seinem kirchlichen Engagement war er unter anderem Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Nidda und ist Mitbegründer des Fördervereins Oberhessen sowie des Vereins Oberhessen. Die schwarze Robe hat der Rechtsanwalt und Notar vor fünf Jahren an den Nagel gehängt. Rolf Hartmann ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.