Wenn die To-do-Liste immer länger wird

veröffentlicht 11.06.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Wie stärkt man Resilienz in Zeiten des Wandels? Diese Frage stand im Mittelpunkt beim Treffen der Gemeindesekretärinnen im Margaretha-Pistorius-Haus des Dekanats.

Eine hohe Arbeitsbelastung, neue Strukturen und die Unsicherheit eines tiefgreifenden Wandels – Gemeindesekretärinnen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Umso wichtiger sind Gelegenheiten, die Austausch, Reflexion und gegenseitige Stärkung ermöglichen. Deshalb lud das Evangelische Dekanat Büdinger Land die Gemeindesekretärinnen zu einem Treffen ein, das genau diese Themen aufgriff: Wie bewältigt man den Stress am Arbeitsplatz, wenn die To-do-Liste immer länger wird? 

Die Konfliktberaterin Martina Geßner, die für die Zentrale Konfliktberatungsstelle der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) tätig ist, begleitete die Veranstaltung. Im Mittelpunkt stand die Frage nach Resilienz: Wie bleibt man trotz hoher Belastung handlungsfähig und sorgt gut für sich selbst? 

Die Teilnehmerinnen schilderten offen ihren Arbeitsalltag. Viele berichteten von einer breiten Aufgabenpalette, häufigen Unterbrechungen und ständig neuen Anforderungen. Hinzu kommen die Veränderungen innerhalb der Kirche, die auch die Gemeindebüros betreffen. Zusammenlegungen, neue Zuständigkeiten und die ungewisse Zukunft der Kirche sorgen vielerorts für Verunsicherung. 

Die Referentin lenkte den Fokus auf die Bereiche, die Mitarbeitende selbst gestalten können. Sie betonte, wie wichtig es sei, den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und zu nutzen – etwa bei der Arbeitsorganisation, im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen oder in der Haltung gegenüber Herausforderungen. Wer Energie in Dinge investiert, die außerhalb des eigenen Einflusses liegen, erhöht oft nur die eigene Belastung. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie sich ein positiver Blick auf den Arbeitsalltag fördern lässt. Gleich zu Beginn fragte die Referentin: „Was hat Ihnen heute schon ein Lächeln ins Gesicht gezaubert? “ Der bewusste Blick auf gelungene Momente oder kleine Erfolge könne helfen, Stress abzubauen und die eigenen Ressourcen besser wahrzunehmen. 

Auch das Gefühl, am Ende des Tages nicht alles geschafft zu haben, wurde thematisiert. Die Referentin riet, die erledigten Aufgaben aufzuschreiben und bewusst wahrzunehmen. So werde sichtbar, wie viel tatsächlich geleistet wurde – selbst wenn unerwartete Anforderungen die ursprüngliche Planung durchkreuzten. 

Besonders wertvoll empfanden viele Teilnehmerinnen den Austausch untereinander. Zu hören, dass Kolleginnen in anderen Gemeindebüros ähnliche Herausforderungen erleben, wirkte entlastend. Die Erkenntnis, mit Sorgen und Belastungen nicht allein zu sein, stärkte das Gemeinschaftsgefühl. 

Trotz mancher Kritik wurden auch positive Erfahrungen geteilt. Einige Teilnehmerinnen, die zuvor in Wirtschaftsunternehmen gearbeitet hatten, berichteten, dass sie in ihrem kirchlichen Arbeitsumfeld erstmals echte Wertschätzung durch Vorgesetzte erfahren hätten. 

Die Veranstaltung stieß auf durchweg positive Resonanz. Eine Sekretärin fasste ihre Eindrücke so zusammen: „Das war ein Invest in die Seelen der Menschen. “ 

Hintergrund: Die Zentrale Konfliktberatungsstelle der EKHN

Die Zentrale Konfliktberatungsstelle der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unterstützt Mitarbeitende – ob haupt-, neben- oder ehrenamtlich – bei Konflikten und belastenden Arbeitssituationen. Sie bietet vertrauliche Beratung, Konfliktcoaching, Moderation und Präventionsangebote an. Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu klären, die Zusammenarbeit zu stärken und Mitarbeitende in schwierigen Situationen zu unterstützen. Die Beratung erfolgt vertraulich und unabhängig von dienstlichen Weisungen.