Die stattliche Kirche mit ihrem mittelalterlichen Turm prägt Bobenhausen und ragt weithin sichtbar über das Dorf. Die große Linde vor dem Eingang spendete an dem warmen, frühsommerlichen Nachmittag wohltuenden Schatten, als das Pfarrerehepaar und der stellvertretende Dekan Ulrich Bauersfeld nach dem Gottesdienst vor der Kirchenpforte die nicht enden wollende Menschenschlange mit einem herzlichen Gruß zur Kaffeetafel in die benachbarte Mehrzweckhalle entließen.
Anfang 2017 kamen Eleonore Merkel und Detlef Metz in den Vogelsberg. Zunächst betreute Pfarrerin Merkel die Gemeinden Wingershausen, Eichelsachsen und Eschenrod, Detlef Metz übernahm Bobenhausen II mit den Dörfern Höckersdorf, Kölzenhain, Ober-Seibertenrod und Wohnfeld. Inzwischen hat der Strukturwandel in der Kirche vieles verändert – auch die Zuständigkeiten des Pfarrerpaares. Durch Ruhestand und Weggang von Kolleginnen und Kollegen übernahmen sie weitere Aufgaben: Eleonore Merkel in Rainrod, später auch die Vakanzvertretung in Betzenrod, Rudingshain und Götzen, Detlef Metz in Ulrichstein und Feldkrücken.
Nun sei es Zeit, noch einmal aufzubrechen und sich auf Neues einzulassen, wandte sich Eleonore Merkel am Ende der gemeinsam gestalteten Predigt an die Gemeinde. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, fügte sie hinzu. Doch wenn dieser Schritt gegangen werde, dann jetzt – in einer Phase, in der beide noch zehn beziehungsweise fünf Jahre in ihrem Beruf tätig sein würden.
Grundlage ihrer Predigt war ein Abschnitt aus dem Matthäusevangelium: Jesus fragt seine Jünger, für wen ihn die Menschen halten, und schließlich, für wen sie selbst ihn halten. Petrus bekennt daraufhin: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Dort, wo Menschen sich zu diesem Christus bekennen, entstehe Kirche, sagte Eleonore Merkel und an die Gemeinde gerichtet: „Sie alle sind Kirche, sie alle sind berufen.“ Detlef Metz griff die Worte Jesu an Petrus auf: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Petrus sei kein Gelehrter gewesen, sondern ein einfacher Fischer und zudem ein Mensch mit Fehlern und Zweifeln. Dennoch habe Jesus ihm seine Kirche anvertraut. In diesen Zeiten des Wandels, „der uns so zu schaffen macht“, gebe es etwas, das feststeht, so Pfarrer Metz: „Jesus baut seine Kirche mit Menschen“ und trotz Unsicherheit und aller Widrigkeiten bleibe die Kirche bestehen.
Im weiteren Predigtteil ermutigte die Pfarrerin die Gemeinden, angesichts der bevorstehenden Vakanz Verantwortung zu übernehmen und das Gemeindeleben weiterhin aktiv zu gestalten. „Bringen Sie Ihre Gaben und Fähigkeiten ein und halten Sie die Gemeinschaft lebendig“, appellierte sie an die Gottesdienstbesucher. Zugleich erinnerte sie an die vergangenen, vom Strukturwandel geprägten Jahre, die für die Gemeinden herausfordernd waren. Sie dankte allen Mitarbeitenden, den Haupt- und Ehrenamtlichen und besonders den Kirchenvorständen für ihr Engagement und ihre Ausdauer.
Im Anschluss würdigte Ulrich Bauersfeld das Wirken der beiden Pfarrpersonen. Gottesdienste seien für Detlef Metz ein Schwerpunkt gewesen. Bauersfeld erinnerte daran, dass Metz während der Pandemie mit dem Megaphon durchs Dorf gefahren sei und Freiluft- und Wandergottesdienste gehalten habe, um die Menschen in Kontakt mit Gott zu bringen. Eleonore Merkel sei die Musik besonders wichtig, der Posaunenchor mit den Jungbläsern, der Projektchor unter der Leitung von Karl Merz. „Ihr habt viel getan, viel geleistet, dafür danken wir euch sehr herzlich“, schloss Ulrich Bauersfeld.
Karl Merz an der Orgel, der Männergesangverein Bobenhausen II unter der Leitung von Ottmar Hasenpflug und ein Projektchor gestalteten den Gottesdienst musikalisch.
Beim anschließenden Empfang in der Mehrzweckhalle sprachen Redner aus den Gemeinden und Dörfern, die Eleonore Merkel und Detlef Metz betreut haben, mit großer Wertschätzung über die gemeinsame Zeit. Nah bei den Menschen zu sein, das war dem Paar stets wichtig. Die große Anteilnahme an ihrer Verabschiedung ist das äußere Zeichen dafür, wie sehr ihnen das gelungen ist.
Nun übernehmen beide in Thüringen, in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), jeweils eine Gemeinde. Detlef Metz bereits zum 1. Juni, Eleonore Merkel zum 1. September. Ein gemeinsamer Abschied war der ausdrückliche Wunsch des Paares.