Der Bericht von Präses Rolf Hartmann im Wortlaut

Liebe Schwestern und Brüder, verehrte Damen und Herren,

auf unserer Herbstsynode hatten wir den Gebäudeentwicklungsplan beschlossen. Dies geschah im wesentlichen ohne große Diskussionen. Betrachtet man die Konsequenzen für die Zukunft, die dieser Plan hat, so ist das einigermaßen erstaunlich.

Die Ursache dafür, dass dieser Plan in der Synode mit großer Mehrheit akzeptiert wurde, liegt alleine darin, dass der Verabschiedung intensive Vorarbeit in den Nachbarschaftsräumen vorausging. Unsere Pfarrpersonen, aber insbesondere unsere ehrenamtlichen Kirchenvorstandsmitglieder, haben viele Stunden damit verbracht in ihren Nachbarschaftsräumen Lösungen zu finden, die dann eine breite Mehrheit fanden. Für diese Arbeit möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten, insbesondere aber bei den vielen Ehrenamtlichen, bedanken.

Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, ehrenamtlich tätig zu sein.  Nicht nur die Kirche, auch andere Institutionen und Vereine, die auf das Ehrenamt angewiesen sind, suchen Menschen, die sich engagieren.

Dabei hat gerade das Ehrenamt in unserer Kirche einen verbindenden Charakter. Unterschiedliche Menschen, Gruppen und Perspektiven werden zusammengeführt. Sie werden vernetzt und wirken in die Gesellschaft. Unsere Kirche wäre nichts ohne die vielen Frauen und Männer, die sich in ihr ohne Entgelt in der Freizeit engagieren.

Es ist dabei nicht notwendig, theologische Aufgaben zu erfüllen oder die Feinheiten der Verwaltung zu beherrschen. Was wären wir ohne die Frauen und Männer, die Tische stellen, Kuchen für Gemeindefeste backen, Bierkästen schleppen oder vor Weihnachten in der Kirche den Christbaum schmücken. Es sind die Stillen, die wie selbstverständlich zur Stelle sind, wenn helfende Hände gebraucht werden.

Eingangs hatte ich schon die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher erwähnt, die sich in unserem Transformationsprozess einbringen. Es ist keine einfache Zeit für die vielen Ehrenamtlichen, die in unserer Kirche Verantwortung tragen. Sicher hat sich der eine oder andere bei anstrengenden Sitzungen auch schon gefragt, warum er oder sie sich das antut. Wäre es nicht besser, gemütlich Zuhause oder bei Freunde zu sein, als in einer Gremiensitzung.

Neben dem Gebäudeentwicklungsplan war auch die Rechtsform der Nachbarschaftsräume zu beraten und zu beschließen. Auch hier waren die Ehrenamtlichen gefordert. Von unseren sieben Nachbarschaftsräumen hat der Nachbarschaftsraum Konradsdorf sich zu einer Kirchengemeinde fusioniert. Die Nachbarschaftsräume Niddarer Land, Büdingen und Zwischen Nidder und Bracht sind Gesamtkirchengemeinden. Die Nachbarschaftsräume „In den Auen“ und Limes versuchen es in der Form der Arbeitsgemeinschaften. Nach meiner Kenntnis hat sich der Nachbarschaftsraum Schotten noch nicht endgültig festgelegt.

Die Wahl der Rechtsform hat Auswirkungen auf die Arbeitsbelastung der Mitglieder des Kirchenvorstandes. Ich hoffe, dass diejenigen, die sich bewusst für eine Rechtsform entschieden haben, bei der schon heute klar ist, dass sie zu einer Mehrbelastung der Ehrenamtlichen führt, dies mit bedacht haben. 

Unabhängig vom Transformationsprozess sind unsere Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher mit weiteren vielfältigen Aufgaben beschäftigt, die nicht immer vergnügungssteuerpflichtig sind. Ich denke hier auch an die Probleme, die wir im Baubereich haben. Beklagt wird mangelnde Unterstützung durch die Bauabteilung unserer Kirche und zu viel Bevormundung.

Zu diesem Thema fand vor einigen Tagen ein Gespräch zwischen dem Dekanatssynodalvorstand und dem Leiter unserer Kirchenverwaltung Herrn Dr. Fuchs-Esterhaus statt. Im Vorfeld hatten wir die Nachbarschaftsräume gebeten, uns Dinge mitzuteilen, die sie in Bezug auf die Kirchenverwaltung bedrücken. Dabei stellten sich 4 wesentliche Problemfelder heraus:

  • 1. Kirchliche Bauabteilung
  • 2. Regionalverwaltung
  • 3. Vergütungsprozess der Organisten.
  • 4. Verwaltungsunterstützung der Nachbarschaftsräume

Herr Dr. Fuchs-Esterhaus hat im wesentlichen die Probleme an der Struktur der Verwaltung unserer Kirche festgemacht. Hier gibt es Vorschläge, diese zu verschlanken. Angefangen bei der Zusammenfassung der bisher eigenständigen Regionalverwaltungen und der Unterstützung der Nachbarschaftsräume durch hauptamtliche Verwaltungsleiter. Ziel der Verwaltungsreform ist auch, die Ehrenamtlichen und Pfarrpersonen von Verwaltungsarbeiten zu entlasten. Derzeit befindet sich die Verwaltungsreform im Gesetzgebungsprozess der EKHN-Synode. 

Ich hoffe, dass unsere Kirchensynodalen den Mut haben, die alten Wege zu verlassen und die Prozesse so zu gestalten, dass nicht nur Geld eingespart wird, sondern dass wir auch an der Basis entlastet werden.

Besprochen haben wir auch die Problematik der Umstellung von KIRA auf KIRSIS, die zu erheblichen Problemen in der Arbeit der Gemeindebüros geführt hat. Hier gibt es Probleme, die in der Erstellung der neuen Software liegen. Derzeit kann das Programm KIRA noch genutzt werden. Es wird daran gearbeitet, die Fehler im Nachfolgeprogramm zu beheben. Leider konnte uns Herr Fuchs-Esterhaus nicht bestätigen, dass dies der Fall sein wird, bis der Support für KIRA eingestellt wird.

Ehrenamt, ich sagte es schon, beschränkt sich nicht auf die Leitung von Gemeinde und Dekanat. Eine Aufgabe, die von Ehrenamtlichen wahrgenommen wird, sind die Besuchsdienste. Diese haben schon vielen Menschen Freude gebracht. Um hier wieder diesen Bereich zu aktivieren plant unsere neue Mitarbeiterin Frau Parschner schon bald entsprechende Angebote.

Vom Ehrenamtlichen überwiegend getragen wird auch die Arbeit des Dekanatsfrauenausschusses. Es wurden interessante Dekanatsfrauentage veranstaltet. Der letzte befasste sich mit dem Leben jüdischer Menschen, insbesondere jüdischer Frauen. In diesem Jahr hat der Dekanatsfrauenausschuss ein umfangreiches und hochkarätiges Programm zum Reformationsjubiläum in Oberhessen aufgelegt. Die ersten Veranstaltungen haben schon stattgefunden.

Den Glauben zum Klingen bringen, das ist die Anspruch unserer Posaunenchöre, Chöre und der Kantoreien. Gerade in den letzten Monaten konnten wir an vielen Orten unseres Dekanats erleben, mit wie viel Freude und auch Begabung unsere Ehrenamtlichen dazu beigetragen haben, uns schöne musikalische Stunden zu bescheren. 

Kreative Köpfe in unserem Dekanat entwickeln neue Ideen, wie kirchliches Leben so gestaltet werden kann, dass die Kirche Menschen erreicht. Ein Beispiel dafür ist unsere Serie „Talk am Turm“, die zu einer festen Institution bei uns geworden ist. Getragen von ehrenamtlich Tätigen werden dort unterschiedliche Themen mit kirchlichem Bezug beleuchtet. Die Anzahl der Besucher zeigt, dass hier ein Format gefunden wurde, das die Menschen anspricht.

Unsere Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in vielfältiger Weise im Dekanat engagiert. Unsere Freizeiten könnten ohne die ehrenamtlichen Teamer nicht stattfinden. Auch die Kindergottesdienste werden überwiegend ehrenamtlich gestaltet und auch meist von jungen Menschen. Jugendliche arbeiten im Dekanatsjugendausschuss und in den entsprechenden Gremien der Landeskirche mit. Sie bringen sich ein, wenn es um die Besetzung von GPD-Stellen geht. Veranstaltungen, wie z.B. “einfach heiraten” wären ohne die Hilfe unserer jungen Kirchenmitglieder nur schwer durchführbar gewesen.

Die Leitung dieses Dekanates liegt ebenfalls überwiegend in der Verantwortung von Ehrenamtlichen. Bis auf die Dekanin und den stellvertretenden Dekan sind die Mitglieder des DSV ehrenamtlich tätig. Wir als DSV sind zwar in der komfortablen Situation, dass uns engagierte Hauptamtliche zur Seite stehen. Die Verantwortung tragen jedoch wir. Das gilt insbesondere auch für die Finanzen. Hier bin ich persönlich sehr froh, dass wir erfahrene Mitglieder im Finanzausschuss haben, die in vielen Sitzungen die finanziellen Entscheidungen vorbereiten. 

Ehrenamtliche bringen sich ein bei den vielen Gemeindeblättern, die es in unserem Dekanat gibt und sind damit ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit.

Die Liste der ehrenamtlich Tätigen ließe sich noch verlängern. 

Was ist Fazit dieser Ausführungen:

1. In kaum einem anderen Bereich der Gesellschaft gibt es so viele Möglichkeiten sich einzubringen wie in unserer Kirche. Wer sich ehrenamtlich einbringen möchte, findet hier ganz viele unterschiedliche Aufgaben, die seinen Interessen und Begabungen entsprechen. Das sollten wir besser als bisher kommunizieren.

2. Wir sollten denjenigen, die große Teile ihrer Freizeit in den Dienst unserer Kirche stellen, auch mit der nötigen Wertschätzung begegnen. Ich möchte nur als ein Beispiel Sitzungen der Gremien benennen. Hier in der Synode bemühen wir uns, für die Synodalen eine Umgebung zu schaffen, in der Sie sich wohlfühlen. Mit Essen, Trinken, Blumen und anderen Dingen. Das sollte auch in anderen Sitzungen bedacht werden. Wir sollten uns an allen Stellen überlegen, wie wir den Ehrenamtlichen entgegentreten und wie wir mit Ihnen und damit auch miteinander umgehen.

Und wir sollten Ehrenamtliche nicht überfordern und sie sollten sich auch selbst nicht überfordern.

Mit Sorge blicke ich auf die Entwicklung in Nachbarschaftsräumen, die Konstruktionen gewählt haben, bei denen ich mich frage, ob man bedacht hat, was man da künftig Ehrenamtlichen zumutet. Im übrigen auch Pfarrpersonen, was die zukünftige Versorgung mit Pfarrerinnen und Pfarrern nicht einfacher machen wird.

3. Und schließlich möchte ich diesen Bericht zum Anlass nehmen, allen zu danken, die sich für unser Dekanat, seine Nachbarschaftsräume, seine Gemeinden und seine Menschen einsetzten. Das sind die Hauptamtlichen, deren berufliche Aufgabe das ist, das sind aber insbesondere die vielen ehrenamtlich Tätigen, die durch ihre Arbeit unsere Kirche am Laufen halten.

Vielen Dank dafür.