„Die Kirche bleibt präsent“

veröffentlicht 01.03.2026 von Judith Seipel, Kirche im Evangelischen Dekanat Büdinger Land

Seit gut einem Jahr ist Kirchenpräsidentin Dr. Christiane Tietz im Amt. Jetzt war sie zum Antrittsbesuch im Evangelischen Dekanat Büdinger Land und nahm an der Frühjahrssynode des Dekanats in Nidda teil. Die Synode begann mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche und wurde im benachbarten Bürgerhaus fortgesetzt. Präses Rolf Hartmann dankte in seinem Bericht den vielen Ehrenamtlichen im Dekanat.

In einer Zeit voller Umbrüche und Veränderungen sei es verlockend, von einer Kirche „auf der grünen Wiese“ zu träumen, sozusagen bei null anzufangen, „weil manche an unserer Kirche leiden“, begann die Kirchenpräsidentin ihren Vortrag vor der Synode. Hinter der Überschrift „Mein Traum von Kirche“ verbarg sich jedoch kein idealisiertes Bild von Kirche, wie man vielleicht erwartet hätte. Ihr Traum, fuhr Christiane Tietz fort, knüpfe an die Kirche an, „die uns vor Augen liegt“. Ihr Traum von Kirche sei nicht von ihrem Traum von der EKHN zu trennen, denn nur dann könne er „eine Wirklichkeit verändernde Kraft“ entfalten.  

Nach und nach entwarf sie eine realitätsbezogene Vision von Kirche. Ihre Botschaft: Kirche ist dann relevant, wenn sie nah bei den Menschen bleibt – unabhängig von ihrer Größe. Relevanz hänge nicht an Strukturen oder Zahlen, sondern an Beziehungen. „Menschen werden nicht durch Strukturen, sondern durch Menschen gewonnen“, betonte die Kirchenpräsidentin. Wo Christinnen und Christen glaubwürdig von ihrem Glauben sprechen, einander unterstützen und Verantwortung im Sozialraum übernehmen, werde Kirche als lebendig und bedeutsam erfahren.

Gerade in gesellschaftlich angespannten Zeiten komme der Kirche eine wichtige Rolle zu. Viele Gesprächspartnerinnen und -partner aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft hätten die Bedeutung der Kirche als verlässliche Partnerin und öffentliche Stimme hervorgehoben. Kirche stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt, fördere demokratische Bildung und setze sich klar gegen menschenfeindliche und rassistische Tendenzen ein.

Auch mit weniger Ressourcen wolle die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) präsent bleiben – vor Ort in neuen Nachbarschaftsräumen, mit kleineren, flexiblen Formaten, digitalen Angeboten und innovativen Aktionen wie „Segen auf dem Parkplatz“ oder „Heiraten to go“. Ziel sei es, geistliches Leben weiterhin in erreichbarer Nähe zu ermöglichen. Gleichzeitig werde die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen gestärkt.

Als „Lebensadern“ der Kirche bezeichnete die Kirchenpräsidentin Bildung und Seelsorge, Gemeinschaft, Gottesdienst und Gebet, Diakonie sowie das öffentliche Zeugnis des Glaubens. Diese Kernaufgaben dürften im Wandel nicht verloren gehen, „keine dieser Adern darf verkalken“, so Christiane Tietz wörtlich. Kirche zeige ihre Wirkung dort, wo sie Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit wahrnimmt, ihnen zutraut, neue Schritte zu gehen, und konkret hilft – sei es durch diakonisches Handeln, durch Begleitung in Krisen oder durch Räume für Glauben und Hoffnung.

Zuvor hatte Rolf Hartmann, Vorsitzender des Dekanatssynodalvorstands, den zahllosen Ehrenamtlichen im Dekanat gedankt, die sich mit ihrem Können und Wissen in den Dienst der Kirche stellen. „In kaum einem anderen Bereich der Gesellschaft gibt es so viele Möglichkeiten sich einzubringen, wie in unserer Kirche, das sollten wir besser als bisher kommunizieren“, sagte Hartmann. Er dankte den Frauen und Männern, die in oftmals zähen Gremiensitzungen rund um das Thema Strukturwandel nach Lösungen suchten, den Helferinnen und Helfern, die für Feste Tische stellen und Kuchen backen, den so wichtigen Besuchsdiensten, für Alte, Kranke und Einsame manchmal der einzige Kontakt nach draußen, dem Dekanatsfrauenausschuss mit seinen vielen Veranstaltungen, Posaunenchören, Chören und Kantoreien, die den Glauben zum Klingen bringen, dem „Talk am Turm“-Team, der Evangelischen Jugend, den Redaktionsteams der Gemeindebriefe. Mühelos, so Hartmann, ließe sich diese Liste verlängern.

„Wir sollten uns an allen Stellen überlegen, wie wir den Ehrenamtlichen entgegentreten und wie wir mit ihnen und damit auch miteinander umgehen“, sagte der DSV-Vorsitzende.

Hier geht es zum Bericht von Präses Rolf Hartmann im Wortlaut.

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Christiane Tietz: Als Kirchenpräsidentin ist Christiane Tietz geistliches Oberhaupt und Repräsentantin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, vergleichbar mit der Funktion einer Bischöfin. Die 1967 in Frankfurt am Main geborene Theologin studierte Mathematik und Evangelische Theologie auf Lehramt. Nach Promotion und Habilitation war sie Professorin für Systematische Theologie, unter anderem an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie zuletzt an der Universität Zürich.

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